Sonntag, 15. August 2010

Leberwurst und Wale

Oje, so lang nix mehr geschrieben. Aber es ist eben auch nicht wirklich viel zu erzählen, und ich will ja net immer nur von der Arbeit reden und mich über die Kälte beschweren. Nun ja; es gab schon einige Momente von großem Heimweh und Überdruss des status quo, und das hat dann ausgefallenere Aktionen nach sich gezogen. Zum Beispiel habe ich vor einigen Wochen Leberwurst hier im Supermarkt gefunden. Und es war nicht nur welche, es stand auch drauf! Das war schon eine nette Abwechslung. Nach kaum zwei Wochen Suchens hab ich dann auch Roggenmehl bekommen, Sauerteig gemacht und ein Brot gebacken, das mit dem üblichen Baguette mal nix zu tun hatte. Das war ganz gut, aber ausbaufähig. Wer Tipps weiß, nur her damit.
Und ansonsten halt Arbeit, das heißt im Moment besonders, alle Geräte auf Vordermann bringen. Und einen Bierkühlschrank aus einem aufgelösten Supermarkt zu einer Kulturkammer für Algen umbauen. Außerdem muss ich mir endlich ein eigenes Projekt aus den Fingern saugen, auch, wenn ich in etwa 5 andere Projekte involviert bin. Man weiß ja nie, was draus wird. Mir als Landratte fällt es recht leicht, Fragen angesichts der Ökologie hier zu stellen, soweit sie am Land passiert. Aber es geht hier ja schwerpunktmäßig um aquatische Ökosysteme. Deswegen ist nach wie vor viel Lesen angesagt, seien es Artikel aus Fachzeitschriften oder Standardwerke über Ozeanographie, Meeresbiologie und spezielle Ökologie.
Manchmal aber kann man die Arbeit auch mit sehr coolen sich bietenden Möglichkeiten verbinden: so ist grade eine Doktorandin aus Bs As da, die Zooplanktonproben untersucht, also Krebschen und sonstiges Viechzeuch. Wir haben an der Station gute Kontakte zu einem Skipper, der mit Touristen rausfährt, um die hiesigen Delfine zu beobachten. Und der nimmt uns auch immer mal umsonst mit, wenn wir Proben brauchen. Also sind wir am Freitag in See gestochen. Schon etwa einen halben Kilometer vor der Küste sind wir auf den ersten Walfisch (well, actually it's a mammal) gestoßen.
Dieser sympathische und gemütliche Brocken ist ein Eubalaena australis oder auch Südkaper. Auf castellano heißt er ballena franca. Seine Coolheit und Wurschtigkeit ermöglicht es einem, ganz nahe hinzufahren und zu schauen - oder, besonders früher, ihn zu töten, um sein Fett für die Straßenbeleuchtung und seine Barten für Reifröcke zu verwenden (was den Gedanken, ihn einfach nur zu essen, ja eigentlich ungleich weniger verwerflich erscheinen lässt). Auf Englisch heißt er right whale, weil er genau der richtige zum Jagen war. Anyway, er war nicht allein. Wir haben mindestens 7 gezählt, evtl. waren es sogar mehr.
Man kann sie mit ein wenig Übung gut an den Wucherungen auf ihrem Kopf auseinanderhalten, und wie man auf dem anderen Bild sieht, ist ihre Farbe auch deutlich individuell verschieden. Hässlich sind sie ja irgendwie schon, das tut ihrer Zuneigung zueinander aber keinen Abbruch: im dritten Bild sieht man, leicht verlegen, Herr (re.) und Frau (li.) Wal, die eben noch mit dem Vorspiel beschäftigt waren. Frau Wal hat definitiv schwer geatmet, und der Herr hat sein Bestes gegeben, da hat das Meer aber geschäumt! Und das bei einer Wassertemperatur von 6°C! Nicht alle Säugermännchen scheinen unter dem Phänomen des "significant shrinkage" zu leiden. Im zweiten Bild sieht man einen anderen Kollegen im Detail mit den komischen Aufwüchsen; das Auge wäre in der Nähe des Mundwinkels, aber ich habs kein einziges Mal gesehen, es war meist unter Wasser und ist auch recht klein.
Es war schon sehr beeindruckend, diese Riesen mal aus der Nähe zu sehen. Immerhin waren die deutlich länger als unser Boot, so um die 12 m bestimmt. Toninas, wegen denen wir eigentlich rausgefahren sind, haben wir dann gar keine gesehen, und nur aus der Ferne einen "normalen" Delfin.
Morgen ist Feiertag, San Martin, ein General, der in einigen Unabhängigkeitskriegen in Südamerika die Finger drin hatte, hat Sterbtag. Hat er eigentlich erst am Mittwoch, aber so hat man ein verlängertes Wochenende. Praktisch, gell?

Keine Kommentare: