Schön, war's, sehr schön! Und auch ganz schön weit. Ich hab eine Bayernkarte auf die Patagonienkarte gelegt, damit man mal die Verhältnisse erkennt. Vor der großen Runde haben wir aber erst bei den Pinguinen in Punta Tombo vorbeigeschaut. Das ist ungefähr da, wo der Kaffeetassenrand südlich vom Punkt "G" (das ist Playa) die Küstenlinie schneidet.
Die Kleinen sind hier etwa 3-4 Wochen alt. Die Eltern schwimmen abwechselnd raus aufs Meer, bis zu 600 km, um Fisch zu fangen. Nach der Rückkehr würgen sie halbverdauten Fisch hoch, der von den Küken gefressen wird. Wenn die Hunger haben, nerven sie mit penetrantem Gepiepse und stupsen die Altvögel im "Mundwinkel" an, bis wieder was kommt.
Auf dem Rückweg fuhren wir an der Isla escondida vorbei, wo eine Herde Seeelefanten in der Sonne lag. Die sind völlig angstfrei, legen aber auch nicht viel Wert auf menschliche Gesellschaft.
Wenn man zu nah hingeht, wird man angegrunzt, und tut besser daran, sich nicht mit ihnen anzulegen. Sie sind an Land wenig grazil, aber im Wasser blitzschnell und wendig, was ihnen sehr dabei hilft, Fische, Tintenfische und Pinguine zu jagen.
Dann aber ging es los nach Süden. Da die Strecke nach El Calafate nicht an einem Tag zu schaffen ist, mussten wir irgendwo dazwischen übernachten, am besten nach Comodoro Rivadavia. Das ist die Erdölstadt in Chubut und der Grund für den Reichtum der Provinz und die günstigen Spritpreise (ca. 0,6 €/L). Erdöl ist so wichtig, dass es ein Denkmal für die Erdölarbeiter gibt: ein petrolero, der verklärt nach Norden Richtung Buenos Aires schaut und ein Ventil aufdreht (völlig klar, dass es wieder was mit la capital zu tun haben muss).
Am Abend erreichten wir Jamarillo (auf der Karte oben der Punkt "B"), ein Städtchen inmitten vom Nirgendwo. In der Nähe ist zwar ein versteinerter Wald, den haben wir aber nicht besucht, weil er zu abseits lag. Es war so ziemlich die letzte Siedlung mit Campingplatz für die nächsten 200km, und wir wollten das Zelt nicht im Dunkeln aufbauen. Als wir zum Abendessen gingen, hab ich vorsichtshalber das Ersatzrad reingelegt, damit der Wind es nicht wegweht.
Am nächsten Tag ging es zunächst auf guten asphaltierten Straßen nach Süden; dann sind wir aber ziemlich genau nach Westen abgebogen, man sieht es gut auf der Karte. Diese Straße war nur rípio, also Schotter, für fast 250 km. Wir brauchten vier Stunden und trafen unterwegs 5 Autos. Dafür sicherlich weit über 100 Guanakos. Das Geruckel und der Lärm ist zwar nervig, aber die Aussicht istteilweise beeindruckend: wir fahren oberhalb des Rio Santa Cruz, der sich durch ein weites Tal schlängelt, dass allerdings trotzdem wüstenhaft bleibt.
El Calafate ist eine Touristenstadt mit einem einzigen alten Haus, das kaum 100 Jahre alt ist. Der Rest ist wenig sehenswert. Dafür ist in der Nähe ein Nationalpark mit berühmten Gletschern. Den berühmtesten, den Perito Moreno, besuchten wir am nächsten Tag.
Das war der erste Anblick. Hammer. Total unrealistisch. Man bedenke auch, dass das auf etwa dem gleichen Breitengrad liegt wie Bamberg (nur halt auf der anderen Seite), es ist also echt nicht so, dass es schon das Ende der Welt wäre und der Südpol ums Eck. Die Gletscherfront ragt 30-40 m hoch aus dem Wasser, ist im ganzen aber etwa 120 m hoch! 8 km breit und 32 km lang ist das Ungetüm und der einzige Gletscher in der Gegend, der nicht zurückweicht, weil es oben soviel draufschneit wie unten wegbricht.
Der Gletscher fließt in den Lago Argentino und bricht am Ende immer wieder ab. Diese Eisberge oder témpanos schwimmen dann auf dem See und bilden bizarre und faszinierende Skulpturen. Man kann am Ufer entlangwandern und findet ganz besondere Aussichten auf dieses Spektakel:
Wir sehen auch einige hausgroße Brocken abbrechen, aber ich habe keine guten Photos davon machen können.
Es soll am nächsten Tag aber noch besser werden, denn wir beschliessen, auf dem Gletscher zu klettern. Allerdings ist unsere Tour erst für 15:00 Uhr geplant, so dass wir an dem Arm des Sees, der vom Gletscher abgetrennt wird, erst mal grillen; hinfahren tun wir diesmal auf einer abseits gelegenen rípio-Straße.
Schon komisch, so viel Wasser, aber trotzdem nicht besonders saftige Wiesen. Die Wälder, die die Berghänge bedecken, scheinen vor allem Ulmenreinbestände zu sein. Die Ulmen sind übersät mit etwas, was zunächst wie Misteln aussieht, aber ich denke, es ist ein Pilz. Irgendeine Idee?
Unsere Tour führt zunächst mit einem Schiff über den Brazo Rico und dann durch diesen herrlichen, grünen, duftenden, grünen, urwüchsigen, grünen Wald, dessen frisches Grün meine entwöhnten Augen beinahe tränen läßt an die Gletscherflanke. Dort werden wir mit Steigeisen ausgestattet und es geht los.
Wir sind nicht die einzigen Eiskrabbler. Ist aber ganz praktisch, weil man dann die Größenverhältnisse besser einschätzen kann.
Leider sind die Farben nicht so beeindruckend auf den Fotos, das Blau ist ganz unglaublich, fast kitschig. Ich musste öfter mal an Filmkulissen denken, die ich belächelt habe, weil ich dachte, sie wären zu blau und unrealistisch.
Morgen geht es weiter zurück nach Norden.













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