Dienstag, 23. April 2013

Über die Schwierigkeiten bei Weltraumexperimenten, oder: lächeln und winken, lächeln und winken....

Das war vielleicht ein Tag! Aber von vorne:
Seit dem Start ist der Sauerstoffgehalt im Experiment im Satelliten etwas gesunken (genauso wie in der Kontrolle, die bei uns hier im Moskau im Labor steht). Das ist ja auch kein Wunder, wir haben schließlich Fische rein, die ihn verbrauchen (und dafür Zee-Oh-Zwei freisetzen, das die Algen dann wieder in Sauerstoff umwandeln (grob gesagt)). Das bekommen wir mit, weil wir bei den Überflügen des Satelliten (der übrigens gestern auf einen höheren Orbit geflogen ist, etwa 550 km, glaub ich) Telemetriedaten bekommen: der Satellit fragt am Experiment nach allen möglichen Daten, das wird dann überspielt, und wenn der Satellit über russisches Territorium fliegt, funkt er es runter. Manche der Daten waren in den letzten Tagen unvollständig, aber ok. Heute nun war ein fast freier Tag, Martin, Dennis und ich sind in den Zoo gegangen (erst ein Besuch wert, wenn die Walrossanlage fertig ist) und dann kam ein Anruf. Es hieß, OMEGAHAB, unser Experiment, sende keine Daten. Resp. es reagiere nicht. 
Sowas ist dann schon schwierig. Es gibt verschiedenste mögliche Gründe für so eine Aussage. Viele davon heißen gar nicht, dass was mit dem Experiment nicht läuft. Besonders, weil wir ja die (Des-)Informationspolitik hier schon ganz gut kennen. Wollen die Russen nur ihren Arsch retten und nicht zugeben, dass mit der Übertragung der Daten was nicht passt? Hat OMEGAHAB nicht reagiert, weil das Abrufkommando zu einem schlechten Zeitpunkt kam (sowas gibt's!)?
Na gut, die Verantwortlichen, die wir in Baikonur getroffen haben, besonders Julia, die verantwortliche Ingenieurin, glänzen stets durch Professionalismus und Dedikation. Und vor 6 Jahren, bei meinem Doktorarbeitsexperiment gab es ähnliche "Probleme", und im Endeffekt hat es gepasst. Aber es ist halt echt anstrengend, die Ruhe zu bewahren, wenn man an die singuläre Möglichkeit denkt (wie oft kann man das schon machen?), daran, was es den Steuerzahler alles gekostet hat (OK, es gibt viel schlimmere Steuergeldverschwendung, aber trotzdem), oder was das für mögliche zukünftige Projekte heißt (was sagen die wohl beim nächsten Antrag, wenn das hier nicht klappt, warum auch immer?) Und ach ja, mein Vertrag an der Uni läuft noch bis Ende Juni, ich müsste mich schon arbeitssuchend melden, eine Arbeitsagenturarbeiterin mit vielleicht 20-25 Jahren wird mich über verantworungsvolles Verhalten im Falle drohender Arbeitslosigkeit belehren und mir andere Scheißtips geben wird, die mit der Realität nichts zu tun haben, bevor sie nach Hause geht, damit sie ihre 42 oder was Stunden pro Woche ja nicht überzieht und am Ende bezahlte Überstunden bekommt, mit deren Entgeld sie einen Scheißurlaub machen kann, für den ich gar keine Zeit habe, weil ich nichts als zu viel Arbeit habe....
Na gut, der letzte Absatz ist genau das, wohin so eine Hiobsbotschaft führt. Nüchtern betrachtet hab ich natürlich den geileren Job und möchte nicht tauschen. Aber so war dann halt der Nachmittag. Und der Abend. Bis um 21:24 die Nachricht kam, dass OMEGAHAB sendet und alles gut aussieht. PHUCK! Hab ich's nicht gesagt?!
Ich liebe diesen Job! So eine Scheiße!

1 Kommentar:

corny hat gesagt…

Hiho,

mann ich bin viel zu selten auf deinem Blog unterwegs!!!!

1) hat dein Experiment dann doch noch geklappt und

2) wie läufts ansonsten bei dir? Konntest du noch nen Verlängerungsantrag an der Uni besorgen?

Lg
corny