Samstag, 21. Januar 2012

"Heimaturlaub" und Asche

Da ich ja bis Dezember mein Unterwasserradiometer fertig bauen musste (hat geklappt, aber da der Chef es auf 10 m abgeteuft hat, gab es einige Dichtigkeitsprobleme; anyway, der Radiometerteil läuft und Gratulationen werden gerne entgegengenommen; nächste Woche wird ein Alugehäuse gebaut) gab es 3 Monate nix mehr. Inzwischen ist Joachim da und wir waren ein bißchen unterwegs.
Zunächst sind wir nach Cordoba gefahren und haben dort die stark von deutschen Einwanderern geprägten Dörfer Villa General Belgrano und La Falda besucht. Ersteres ist bekannt, weil hier die Besatzung der Graf Spee ... hmmm... das ist etwas kompliziert. Die Offiziere von diesem Schiff, die sich noch im Krieg heim ins Reich zurück durchgeschlagen haben, empfanden sich wohl als "interniert", das hat uns ein Siemensianer erzählt, der mit dem für die Selbstversenkung zuständigen Artellerieleitoffizier (oder wie immer die korrekte Bezeichnung ist) befreundet war. Der Vater meiner Kollegin, der viele der Matrosen kannte, sprach von "untergebracht in der Ferienanlage der Argentinischen Marine", die sich in der Nähe befand. Sicher keine schlechte Idee, es gab ja auch schon vorher Deutsche hier. Naja, wie dem auch sei, hier einige Impressionen, schon komisch, das ganze:











Das Helle und das Weiße haben gleich schlecht geschmeckt, aber das Rauchbier war ganz ok.


 















Wir konnten nicht herausfinden, warum ein Neppladen Blasenhaus heißt, aber ganz in der Nähe war das Dickhaus...




















Schau an, Schweiz, Bern, Stettin: alles in Deutschland?! Erklärungsversuche sind willkommen. Ebenso zur Frage, ob mit vom Bundesadler gezierte Gurken, Bier und Marmelade nach Deutschland eingeführt werden dürften oder dieser Missbrauch des Hoheitsabzeichens dann bestraft würde.

La Falda wuchs einst um das schickste Hotel der Welt herum, das Edén. Der Glanz vergangener Zeiten ist längst vorbei, nicht zuletzt, weil die deutschen Eigentümer große Fans vom Schnorrnadolf waren und entsprechend auf der Verliererseite standen, als WWII aus war (Pech, dass Argentinien als letztes Land der Welt am 27.3.1945 noch schnell den Krieg erklärt hat). Es gibt massenhaft Legenden über Naziparties und den Führer, der nach dem Krieg hier gewesen sein soll.
 
 Nachdem Deutschland den Krieg verloren hatte, wurde der vermeintliche Reichsadler gerupft. Er hat einen spacigen Nachfolger bekommen.


Das Hotel  liegt in einer ziemlich künstlichen Landschaft, denn eigentlich gibt's hier keine Bäume.
Das Hotel ist teilweise hergerichtet, ansonsten pittoresk abgefuckt.

Im Park steht Kunst herum und der älteste argentinische Tennisclub der Welt wird immer noch bespielt. 
Ach ja, Einstein war auch mal hier, schließlich war es DAS Hotel schlechthin.
Cordoba selber war ziemlich leer, weil Ferien und heiß und alle in die Berge geflogen sind. Und die städtischen Angestellten haben gestreikt, weil sie nicht bezahlt wurden. Daher wenig Kultur.







Dann ging es weiter in die Anden, oder besser das Vorandenland, nach San Carlos de Bariloche und Villa Angostura. Diese Region war und ist besonders vom Dauerrauchen eines nahen chilenischen Vulkans betroffen (siehe Bilder im Blog vom Juni letzten Jahres).
Bereits zwei Stunden vor der Ankunft wehte uns der Dreck entgegen.


Aber dort war es dann unglaublich schön, erstmal. Wir haben den roten Flitzer geliehen in der Hoffnung, nach Chile rüberzufahren. Nix wars, das hat der Zoll nicht erlaubt.



Eine Tour um den Jaguarinselsee Lago Nahuel Huapi herum zeigte Spuren der Verwüstung, die die Asche im Juni angerichtet hatte. Die Natur erholt sich langsam, zumindest die Pflanzen. Die Flüsse sind dreckig, aber die Seen haben eine karibische Farbe.

In drei Tagen haben wir 6 Insekten gesehen. Die Ameisen waren sicher die großen Verlierer an der Sache.
Wenn Asche unter einem Zweig oder so liegt, wird sie nicht vom Regen weggewaschen und bildet interessante Strukturen.
So langsam kommt schon wieder Unterwuchs durch, meistens Bambus.

 Fuchsien wachsen hier wild, nicht nur im Balkonkasten oder auf dem Friedhof.
Der Spiegelsee Lago Espejo ist an der Seite, wohin der Wind meistens weht immer noch von einer hellen Bimssteinschicht bedeckt. Man denkt zuerst, es wäre ein Sandstrand, aber dann sieht man Wellen durchlaufen.

Schon wieder der Nahuel Huapi, ein Riesensee! Im Hintergrund liegt am Ufer Bariloche und in der Bildmitte der Cerro Catedral mit spektakulären Gipfelzinnen.




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