Bekanntlich schuf der Herr Südamerika gleich nach Mittelamerika. Verschwenderisch lange er zu und brauchte fast das ganze Rot für den Boden auf, beinahe alles Grün für die Pflanzen. Als er dann nach Patagonien kam, war nur noch Blau übrig, was er großzügig ins Meer goss und an der Himmel strich. Aus den Resten rührte er dann was zusammen, was nur ein Graubraun war, und damit malte er die patagonische Erde an. Ab und zu war ein Klümpchen Farbe mit drin, das für einen Akzent sorgte, aber im Großen und Ganzen - graubraun.
Kein Wunder also, dass ich es so unglaublich schön hier finde; endlich riecht es mal nicht nur nach Staub. Es ist sogar seit ich hier bin ein bisschen wärmer geworden, sagen die Einheimischen (aber bitte, das ist doch das mindeste ;-) ). Hier blüht es und es grünt sogar mitten im Winter, der natürlich s.str. gar keiner ist. 15-25°C sind doch deutlich näher an der thermischen Behaglichkeit als die 2-10°C daheim in Patagonien. Ich beschwere mich gar nicht; ich nehme nur sehr wohlwollend den Unterschied zur Kenntnis.
Aber die Hauptsache ist natürlich die WM. Die Brasilianer rechnen, wie auch die Argentinos, fest mit dem Titel. Hier sprechen sie von der Hexa, aus unerfindlichen Gründen wird die Anzahl der Titel auf Griechisch gezählt (wir würden also eine Tetra machen). Und sie verstehen auch gar keinen Spaß damit, gestern abend wurde ich rumgeschubbst, als ich behauptet habe, ich wäre grade jetzt gekommen, um in Brasilien zu sehen, wie Deutschland die copa gewinnt. Awesome, but also serious business!
Heute hab ich erst mal im Hotel die Abschiedsvorstellung von Südkorea gesehen. Leck mich fett, die Uruguayos mausern sich ja zum Geheimtipp! Dann bin ich zur Uni gelaufen, um dort auf dem Sportplatz weng zu joggen und das Spiel USA-Ghana in der Studentenkneipe dort zu schauen. Leider war die zu (ach ja: Samstag). Die erstbeste Gelegenheit auf dem Rückweg war ein Sportverein. Das war super, [YEZ! 2:1 für Ghana!], es gab zweieinhalb Bier und je ein monströses Fleisch- und Krabbenküchla für 5 Euro und erfrischende Kommentare von den Umsitzenden. Da waren schon so a paar Pfitschergoogel dabei, die zu allem einen profunden Kommentar abgeben konnten. Dank meines schwarzen Deutschlandhemdes wurde ich auch nicht gleich als Ausländer erkannt, was aber in Joinville für einen Deutschen eh wurscht ist, so viele wie hier deutsche Vorfahren haben. Tatsächlich hat einer bei einer Schwalbe "Weiter, weiter!" gerufen. In der Halbzeit bin ich trotzdem ins Hotel, weil's mir in den Laufsachen zu kalt geworden ist. Jetzt bin ich mal gespannt, ob Ghana es noch schafft, die Amis rauszuhauen. Da halb Südamerika noch im Turnier ist, kann man doch wohl auf nordamerikanische Teilnehmer verzichten, die das Spiel der Spiele nicht mal Fußball nennen, sondern "soccer", oder?
PS: Pfi|tscher|goo|gel, der, (fränk.) ugs., etwa: Original, uriger alter Mann, vgl. Fog|ger|die|fers. Bsp: "Sooch amoll, wos redn deä, spinnd denn deä? Wenn des so weidergehd..." - "Reech Dich hald net auf, hör ned noo! Du kennst na doch, denn oldn Pfitschergoogel!"
1 Kommentar:
Nodürlich a die duhdnmäßiche Übersedzung für alla "Ausländä". Ach ja, graad ham die Archendinier gwunna ;-)
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